Modeblogger haben es schwerer, als ihr denkt

Cover Modeblogger sein ist schwerer als ihr denkt: Über die Modeblogger Arbeit, Gruppenfoto Fashionblogger Berlin
Modeblogger sind die ganze Zeit im Urlaub, haben weder einen richtigen Beruf noch Talent und werden trotzdem mit Geschenken überhäuft? Bitch Please. Leider alles nicht wahr - und ich sage euch warum. Diesmal mit Gaststar Tessa.

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Heute war wieder ein super anstrengender Tag. Ihr denkt immer, es wäre so entspannt Influencer zu sein, aber ich habe gerade Stunden gebraucht um alle Pakete meiner Kooperationen auszupacken!“ – schreibt eine selbsternannte „Influencerin“ unter einen ihrer Instagram Posts im hellrosa Farbschema. Tja-ja das harte Leben. Und ihr dachtet, an Weihnachten hättet ihr es schwer gehabt! Die Näherinnen in Bangladesch sollen mal schön leise sein, die Modeblogger haben den härtesten Job im Fashion Bizz abbekommen.

Okay, die Herausforderung im Blogger Dasein liegt vielleicht weniger darin, Zeit für das Auspacken unzähliger Pakete zu finden. Trotzdem: die Modeblogger Arbeit wird oft unterschätzt. Das liegt allerdings nicht an dem Risiko, sich vielleicht einen Nagel an der Goodie Box abzubrechen. Es gibt ganz andere Hürden.

 

Modeblogger sein ist schwerer als ihr denkt: Über die Modeblogger Arbeit, Gruppenfoto Fashionblogger Berlin

Zum gegenseitigen Austausch habe ich die indische Modebloggerin Tessa von Vogueparadiz getroffen – und sie gleich mal befragt.

 

„Blogger sind talentlos“

Leute sind schnell darin, nur das Endresultat zu bewerten und nicht die Arbeit anzuerkennen, welche dahinter steht. Es ist nicht leicht einen Blog im Alleingang aufrecht zu erhalten. Scheinbar gängige Meinung: „Blogger sind talentlos“. Ist doch easy, so ein paar Bildchen und das bisschen Text, oder?

Nein. Ich habe beim Bloggen fast so viel gelernt wie beim Studieren. Mich selbst vor fünf Jahren in die Blogosphäre zu stürzen, war der Anfang eines langen Selbststudiums. CSS, HTML, Fotografie, Nachbearbeitung, visuelle Konzepte, eine eigene Ästhetik und Stimme finden – es war ein langer Weg. Ich musste mir beibringen, wie Social Media Marketing funktioniert und wie ich soziale Netzwerke für mich nutzen kann. Nichts funktioniert nach Handbuch, jeder Blogger muss für sich selbst ausprobieren was geht und was nicht. Trial&Error. Allein auf Instagram habe ich mich innerhalb von zwei Jahren mehrmals neu erfunden. Einen Blog zu führen ist wie eine Corporate Identity für seine Person zu erschaffen. Dazu kommt noch das nervige Rechnungen schreiben, Verhandeln, Kooperationspartner finden, Steuern machen. Wir Blogger sind Texter, Fotografen, Bildbearbeiter, Content Creators, Models, Social Media Marketing Affine und vor allem: Selbstständige. Bloggen setzt eine Kombination verschiedener Fähigkeiten voraus – klingt das talentlos? 

 


Das sagt Tessa zu den Herausforderungen der Modeblogger Arbeit:

„Bloggen kann schwierig sein, da es echt harte Arbeit ist. Du musst immer auf dem Laufenden bleiben, gute Kommunikationsfähigkeiten haben und musst stets aktiv in den sozialen Medien sein. Es braucht Zeit, seinen Platz zwischen anderen, bestehenden Bloggern zu finden. Du musst einzigartig sein und deinen persönlichen Stil definieren können. Wenn du der Einzige bist, der für deinen Blog verantwortlich ist, hängt jedes Risiko nur an dir. In den letzten Jahren gab es einen wahren Aufstieg des Bloggens, so dass die Konkurrenz enorm ist. Um in der Branche bestehen zu können, muss man sehr effizient sein. Nur mit guten Inhalten kannst du überleben.“

 


 

Modeblogger sein ist schwerer als ihr denkt: Über die Modeblogger Arbeit, Gruppenfoto Fashionblogger Berlin

 

Modeblogger Arbeit – Nichts ist geschenkt

„Hast du es gut zu Bloggen, ich will auch Zeug geschenkt bekommen“ – den Satz hat bestimmt jeder Blogger schon mehrfach gehört und wir rollen dabei immer kollektiv die Augen. Jedes Mal, wenn ihr diesen Satz unter den Post eines Bloggers schreibt, kriegt ein Katzenbaby in China Aids. Denkt das nächste Mal daran, wenn es euch in den Fingern juckt so einen Kommentar zu verfassen. Tut es nicht – für die chinesischen Katzenbabys.

Von ein paar Goodie Bags und Kleinigkeiten mal abgesehen: wie bei jedem anderen Job auch, wird bei Modebloggern gearbeitet. Wenn ich ein Produkt zugeschickt bekomme und dafür bezahlt werde, es auf meinem Blog oder Instagram Kanal einzubringen, ist das nicht geschenkt. Es ist im Vergleich nicht einmal ein guter Deal. Ich könnte auch einem sicheren und gut bezahlten Bürojob nachgehen: Dann würde ich in der Arbeitszeit, die ich brauche, um so eine Kooperation abzuhaken, genug Geld verdienen um mir das Produkt fünfmal zu kaufen.

Ein großer Teil der Arbeit bestand schließlich schon darin, sich eine Reichweite aufzubauen, mit der Kooperationen Sinn machen. Das kann Jahre dauern! Stellt euch mal ein Jobangebot vor, in dessen Beschreibung steht, dass ihr nach ein paar Jahren vielleicht mal die ersten Euros seht.

Man wacht nicht morgens auf und hat plötzlich 50k Instagram Follower oder Klicks auf der Website.

Da muss man hinkommen. Dann muss man es aufrecht erhalten. Nicht jeder Post darf Werbung sein, sonst sind die mühsam aufgebauten Followerzahlen auch schnell wieder weg. Selbst bei Deutschen Top-Bloggern wie Caro Daur oder Fashion Hippie Loves ist durchschnittlich nur jeder dritte Post bei Instagram als Werbung markiert. Jeder Post zwischendurch ist in der Regel Arbeit, die gar nicht vergütet wird.

 

Es gibt keinen Urlaub und keine Sicherheit

Generell ist selbstständige Arbeit mit all ihrem erhöhten Aufwand und Risiko nie zu unterschätzen. Ich bewundere wirklich jeden, der es wagt, in Vollzeit zu bloggen. Ihr könnt nicht – wie bei jedem normalen Job – einfach mehrere Wochen abschalten und Urlaub machen. Die meisten Blogger, ob klein oder groß, füllen täglich ihre Social Media Channels. Blogger sind immer präsent, ihr Privatleben vermischt sich mit ihrem Beruf. Das hat viele Nachteile. Jede Auszeit ist ein Abwärtsknick in den Statistiken, jede Ruhepause eine verpasste Kooperation. Seid ihr nicht präsent, geht ihr unter. Die Konkurrenz ist gerade in den letzten Jahren extrem gewachsen, also müssen Blogger immer, wirklich immer, am Ball bleiben. Das „Happy Sunday, time to relax“ schreiben eben solche so betont locker unter ihre Posts, die gerade den Sonntag über arbeiten. Wenn die Konkurrenz keinen Feierabend macht, dann macht man eben auch keinen.

 

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Kooperation zu beschaffen ist zäher, als ihr denkt

Man postet nicht drei interessante Artikel und muss sich dann unterm Schreibtisch verstecken, weil das Telefon vor lauter Kooperationsanfragen nicht zu klingeln aufhört. Viel eher dürft ihr euch nach Jahren Bloggen darüber freuen, mal ein paar „gratis“ Bikinis „abgreifen zu dürfen“ – im Austausch gegen drei Posts auf Instagram und zwei Blogartikel natürlich. Yeay! Ich liebe es, Sachen geschenkt zu bekommen! Tatsächlich hat diese Art von – ich sage mal Spam – zugenommen. Jedes Unternehmen versteht inzwischen die Bedeutung von Influencer Marketing und möchte, dass Blogger für möglichst wenig Vergütung möglichst viel Werbung schalten. Was sich da teilweise an dreisten Angeboten in meinem Postfach sammelt, ist absolut absurd und deutlich mal einen Artikel für sich wert. Das schlimmste: Manche Blogger kennen ihren Wert nicht und lassen sich darauf ein. Wenn ihr die oft fragwürdigen Angebote von Agenturen oder Brands nicht annehmen wollt, könnt ihr Teil von Netzwerken werden – oder müsst ihr euch selbst auf die Suche begeben. Media Kits herumschicken, individuellen Pitch für jede potenzielle Kooperation erstellen. Stunden Arbeit alleine in die Bewerbung stecken und dann beten, dass überhaupt eine Antwort kommt.

Wirklich gute Kooperationsanfragen kommen nicht unbedingt regelmäßig zu euch geflattert – alles daran ist Arbeit.

 

Woran liegt es, dass Modeblogger Arbeit durchgehend unterschätzt wird?

Man lebt für das Image. Die Arbeit besteht eben darin, diese perfekten Bilder zu schießen, die wie nebenbei aufgenommen aussehen. Produkte werden scheinbar mühelos präsentiert, aber welche Arbeit steckt hinter einem Blogartikel? Welcher Aufwand steckt hinter einem Instagram Post? Nur, weil es einfach aussieht, heißt es nicht, dass es einfach ist.

An erster Stelle steht die Image Creation: Jeder Shoot erfordert Planung und Absprache. Für die Fotos dieses Beitrags habe ich lange ein Treffen mit Tessa geplant und wir haben uns Max Power als Fotografen organisiert, den wir an unserer Wunschlocation getroffen haben. Wir drei sind nicht mal eben so bei Aldi an der Kasse perfekt gestylt übereinander gestolpert und haben spontan ein paar Bilder nebenan geschossen. Allein der Shoot hat Stunden gedauert. Niemand erwähnt die 50 Anläufe hinter jedem schönen Bild. Die Zeit, die für Retouch und Upload oder Promotion des Artikels draufgeht. Was für ein Aufwand es ist, mit den Kooperationspartnern zu kommunizieren. Alles für ein paar Bilder, die nicht entspannter aussehen könnten. 

Es ist praktisch die Essenz des Modeblogger Seins, alles easy aussehen zu lassen. Kein Wunder, dass Leute es auch tatsächlich glauben.

Hinter jedem Artikel über hübsche Flechtfrisuren sitzt eine Person in Gammel-Hoodie und mit messy Zopf, die gerade vier Stunden ohne Essen oder Trinken daran geschrieben hat. Ich finde es gut, wenn selbst Top-Blogger durchblicken lassen, was hinter der ganzen Show steckt. Kleines Beispiel: Dieser Post von Caro Daur. So sieht die Realität aus. 

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Und ganz ehrlich: Wenn so einfach wäre Modeblogger zu sein, wäre dann nicht jeder Modeblogger?

 

Psst: Drüben bei Tessa gibt es unser zweites gemeinsames Set zu sehen!

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12 Comments

  • Hoi Malin,

    interessanter Einblick hinter das mode bloggen. Ich denke diese Arbeit ist so schwer, weil es soviel Konkurrenz und wenig Nischen gibt. Außerdem ist Geschmack verschieden und somit die Zielgruppe sehr fliessend.
    Allerdings ist man sich dem bewusst und setzt sich dem freiwillig aus. Es gibt viele andere Bereiche, wo das Bloggen viel einfacher ist, weil die Konkurrenz weniger ist. Mode Bloggen ist halt der Traum von (zu) vielen.

    Eine Rückfrage: Du hast oben deine Themen aufgeführt, wo du dich weiter bilden musstest. CSS, Content markting, html, usw.
    Ich habe SEO vermisst. Betreibst du das gar nicht?

    Viele Grüsse,
    Alexander vom vermietertagebuch.com

    • Hi Alexander,

      dass es sehr viel Konkurrenz unter Modebloggern gibt, stimmt aber auf jeden Fall. Seine Nische zu finden ist da echt die Herausforderung! Aber nur, weil die Nische der „DIY Möbel aus Kaffeetassen bauen“ Blogs noch unerschlossen ist, gehe ich da ja nicht rein als ein von Mode begeisterter Mensch. Inwiefern sucht man sich seine Träume und Leidenschaften schon aus? Daher würde ich dem „sich freiwillig aussetzen“ doch eher widersprechen.

      Und genau, SEO gehört auf jeden Fall auch zu den Themen, die man sich als Blogger beibringen muss

      Liebe Grüße,
      Malin

  • Sehr schöner Beitrag. Mir geht es ja selbst oft noch so, dass ich unterschätze wie lange ein Beitrag dauert. Ach, den Beitrag blogge ich mal eben noch schnell fertig und schwupps….schon sind wieder Stunden vergangen. Es ist von außen wirklich nicht immer einfach zu verstehen oder gar auf den ersten Blick zu erkennen, wie aufwendig ein Blogpost (oder ein guter Instagram Post) sein kann. Ich blogge jetzt seit fast 7 Jahren, aber lerne immer noch viel dazu.

  • Hallo,
    so ein toller Beitrag und ja auch ich habe schon so oft gehört, Du hast es gut, Du bekommst das alles umsonst. Dass ich dann dafür ein Konzept ausarbeiten muss, Bilder machen, Recherche etc. betreiben muss, das sieht keiner. So ein Blog ist wirklich richtig Arbeit und ich verwende auf jeden Fall für meinen Blog wesentlich mehr Zeit als für meinen Halbtagsjob im Büro, aber bekomme im Schnitt weniger Geld die Stunde.
    Liebe Grüße
    Anja von Castlemaker.de

  • Wieder einmal ein sehr schöner und interessanter Artikel mit tollen Bildern. Du sprichst mir aus der Seele, denn der Aufwand und das alles, was hinter einem Artikel steckt, wird von vielen Lesern gar nicht wahr genommen.
    Ganz liebe Grüße
    Marie

  • Der Artikel spricht mir richtig aus der Seele! Ich bin zwar „nur“ Beauty Blogger, aber der Aufwand ist deshalb nicht geringer. Unsere Arbeit wird einfach viel zu oft und viel zu sehr unterschätzt!

  • Ein wirklich interessanter und tiefgründiger Artikel. Als ich vor 8 Jahren aus Spaß einen kleinen Blog erstellt hatte, hat niemand mit dem Bloggen Geld verdient. Ich hatte damals Followerzahlen mit den ranzigsten Handybildern, davon kann man heute nur träumen. Ich bin im Nachhinein richtig froh, dass ich zwischendrin mehrere Pausen hatte und etwas studiert habe und nicht Vollzeit gebloggt habe. So konnte ich mir immer erhalten, das ganze aus Spaß zu machen. Aber heutzutage steckt wirklich sehr viel Arbeit hinter den Blogs. Ich habe einen Riesen Respekt vor Vollzeit-Influencern. Für einen Blogpost brauche ich mittlerweile viele Stunden Arbeit, ich muss mir jemanden organisieren, der die Fotos schießt und dann auch noch Glück haben, dass es nicht regnet. Also es ist auf jeden Fall ein sehr zeitintensives Hobby, das auch viele Fähigkeiten und Geduld benötigt, weil man sich häufig alles aneignen muss.

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