Monatsrückblick Dezember ’17 & Silvester Story

Monatsrückblick Dezember 2017 und Silvester Story Post, Cover
Sehr persönlicher und ehrlicher Post: Mein Chaos Rutsch in 2018 mit Tinder-Date, Diebstahl und Drachen.

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Dieser Monatsrückblick ist länger als gewöhnlich und noch persönlicher als gewöhnlich. Vielleicht geht der Post an manchen Stellen zu weit, deshalb sind die Kommentare geschlossen. Es ist einfach ehrlich: So war mein Weihnachten, so war mein Stress mit der Fahrschule und so war mein Tinderdate zu Silvester. Lächerlicher als ich kann man nicht ins neue Jahr stolpern. In diesem Monatsrückblick findet ihr wie immer die schönsten Looks des letzten Monats mit Angabe aller Marken: Diesmal etwas random hinein gestreut.

Weihnachten ist schon süß:

Mit der Familie feiern, gebrannte Mandeln und kandierte Äpfel, verschneite Tannen und Eisbären, die einem freundlich zuwinken… ach nein, das ist bloß der Lidl Weihnachtswerbespot. In der Realität sollte man es einen Monat lang vermeiden Radio zu hören (Mariah Carey Dauerschleife) und am besten kein Shopping Center betreten. Aber überzogener Kapitalismus und nervige Songs hin oder her, ich mag Weihnachten trotzdem. Dieses Jahr ist das alles allerdings sehr wenig emotional an mir vorbeigezogen: Vielleicht, weil ich mich so auf meinen Führerschein konzentriert habe. 

 

Weihnachten Outfit Collage Brokat Kleid mit Leopardenmuster

Weihnachten Augenbrauen Trend Engel
Ach ja, ich habe den ultimativen Xmas Brow Trend gestartet.

 

Führerschein Fail

Einen Monat lang war ich nicht arbeiten, um den Führerschein so schnell es nur geht mit maximaler Konzentration durchzuziehen, bevor ich nach Südafrika reise. Es war nicht leicht. Vor allem mit dem Zeitdruck: Ich hätte keine Zeit gehabt, auch nur eine Prüfung zu wiederholen. Mit meiner Fahrschule bin ich nicht ganz zufrieden: Mein Fahrlehrer ist lowkey sexistisch und rassistisch. Ich versuche es möglichst wenig zu kommentieren, weil ich ihn brauche. Er hat mir auch mit auf den Weg gegeben, dass ich keine gute Ehefrau wäre, weil ich so viel diskutiere. Außerdem ist meine Fahrschule leider auch mindestens so verpeilt wie ich selbst. 

Mir und meiner Fahrschule dabei zuzusehen, wie sie versuchen mir meinen Führerschein zu beschaffen, ist so, als würde man zwei geistig stark behinderte Kinder beim Kuchen backen beobachten.

Zuerst versuchte ich meine theoretische Prüfung zu bestehen. Es gibt in Berlin zwei Prüfstellen: Entweder ist man bei der einen oder der anderen angemeldet. TÜV oder Dekra. Da mir meine Fahrschule handschriftlich groß „TÜV“ auf meinen Unterlagen notiert hatte, dachte ich naiverweise einfach, ich wäre dort. Warum sollte das sonst da stehen? Also viel gelernt und für den Test zur Prüfstelle gefahren. Durch den Zeitdruck stand ich unter enormen Stress, hatte vor der Prüfung nicht einmal gegessen und wollte es bloß hinter mir haben. Beim TÜV allerdings hatte mich niemand im System – Surprise Surprise – und ich musste einfach wieder nach Hause fahren, ohne den Test ablegen zu können. Es war die falsche Prüfstelle. Auf dem Rückweg verlief ich mich dann auch noch in einem Industriegebiet, weil mein LG G4 nach zwei (!) Monaten Kampf mit dem Hersteller nun endlich aus der Reparatur zurück ist – und wieder nicht richtig geht. Tatsächlich ist plötzlich die Navigation in Google Maps spiegelverkehrt und auch vorwärts ist rückwärts, außerdem ist das Menü auf polnisch. Danke, LG. Diese Marke kaufe ich übrigens niemals wieder.

 

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Am nächsten Tag wollte ich  zur richtigen Prüfstelle fahren. In der U-Bahn bemerkte ich allerdings, dass mir meine Fahrschule den falschen Geburtstag auf die Unterlagen gedruckt hatte, die ich gleich würde vorlegen müssen. Damit wären die ungültig. Panikanruf bei der Fahrschule – nach bisschen Druck ausüben erklärte sich der Besitzer bereit, mir die korrekten Unterlagen zur Prüfstelle zu bringen und mich dort zu treffen. Übrigens wollte auch keiner etwas davon wissen, mir „TÜV“ notiert zu haben. Kurz dachte ich, ich Vollidiot hätte das mal selbst dort hin geschrieben. Schneller Handschrift-Check: zum Glück negativ. Das wäre der dämlichste Plot Twist gewesen.

Immerhin habe ich die Theorie dann gleich noch bestanden und die Unterlagen wurden von der Prüfstelle angenommen.

Silvester: Tinderdate und Chaos

Silvester ist immer dieses künstlich aufgebauschte Fest mit Party-Zwang, an dem alle Clubs teurer und ätzend überfüllt sind und sich die Straßen von Berlin in Kriegsgebiet verwandeln. Muss man sich nicht geben. Eigentlich wollte ich gemütlich Zuhause mit Bierchen und einem Film reinfeiern, beschloss dann aber noch spontan, Silvester mit einem Tinderdate zu verbringen. Jemand, mit dem ich schon länger schreibe, hatte nämlich auch keine Pläne und wir verabredeten uns sehr kurzfristig. Bei Tinder weiß man manchmal nie, wen man am Ende vor sich hat. Mein Date allerdings war toll. Am meisten gefielen mir seine – extra für Silvester – gold lackierten Fingernägel. Ich mag schräges Zeug. In einer Bar in Neukölln fassten wir den Beschluss, um Mitternacht auf dem Viktoriapark Denkmal stehen zu wollen. Obwohl ich genau dort wohne, habe ich Silvester noch nie da oben verbracht – warum auch immer. Kurz wollten wir noch was bei ihm Zuhause holen, dann war geplant, dass wir bisschen durch die Stadt langsam zu unserem Ziel zu laufen. Plötzlich meinte mein Date allerdings: „In zehn Minuten ist Mitternacht!“

Silvester war wie mein Leben: Bisschen schön, bisschen scheiße, bisschen wild

 

Collage Vintage Kleid und Viktoriapark, Monatsrückblick Dezember 2017 und Silvester Story Post

 

Wir rannten runter auf die Straße, sprangen ins nächste Taxi und schafften es innerhalb von acht Minuten zum Fuß des Viktoriapark Hügels. Uns blieben jetzt noch zwei Minuten bis Silvester, also rannten wir den Berg hoch so schnell wir konnten. Weil ich eine fucking Couchpotato bin, begann für mich das neue Jahr auf halbem Weg nach oben. Gerade, als es sich anfühlte, als wolle sich meine brennende Lunge selbst aushusten. Ich bin einfach zu unsportlich. Wir stießen dann im Dunkeln auf dem Weg nach oben an – es war eigentlich gar kein Verlust, weil die Aussicht auf der Höhe schon wunderschön war.

Noch nie habe ich Berlin so rundherum bunt explodieren sehen und vom Berg oben hörte man eine Menschenmenge jubeln.

Es war schön. Wirklich mitreißend schön. 

Wir stiegen langsam die letzten Meter nach oben. Es war super voll, überall waren Menschen. Die meisten hatten sich auf den Treppen zum Denkmal und der Plattform darauf versammelt. Auf den ersten Blick war da kein Durchkommen, aber ich wollte es trotzdem versuchen. Von da oben musste die Aussicht am allerschönsten sein. Wir quetschten uns durch die Massen, auf der untersten Treppe filmte ich noch – oben auf der Plattform angekommen merkte ich allerdings, dass mein verdammtes LG G4 weg war. Jemand hatte es mir offensichtlich auf der letzten Treppe aus der Manteltasche gezogen. Was für ein degenerierter Abfall klaut einem Menschen sein Handy um Mitternacht an Silvester? Mir wurde noch nie etwas geklaut und ich lebe mein ganzes Leben schon in Berlin. Noch schlimmer: Der Viktoriapark ist wie mein zweites Wohnzimmer. Und nochmal schlimmer: Ich habe gerade zwei Monate mit LG um dieses blöde Handy gekämpft. Und weiter schlimmer: Der Führerschein ist verdammt teuer, meine anstehende Afrikareise auch, der Semesterbeitrag steht an und ich kann den Verlust gerade ganz sicher nicht gebrauchen.

Ich setzte mich ans Denkmal und exte alles, was wir zum Anstoßen mitgebracht hatten, mit einer 360Grad Sicht vom feiernden, bunten Berlin um mich herum. Ich schnorrte mehrere Zigaretten, obwohl ich eigentlich gar nicht mehr rauche. Happy New Year!

 

 

Sorry

Mein Date war süß, er suchte alles ab und befragte sogar einzelne Leute auf der Treppe. Es war natürlich hoffnungslos. Ich erinnere mich nur noch vage, aber anscheinend überredete ich mein Date, den – im Winter inaktiven – Wasserfall herunter zu klettern. Danach kletterte ich im Rosengarten auf einen Baum und sprang über einen Zaun, um auf das Gelände eines Kindergartens zu kommen. Ich rutschte irgendeine Rutsche herunter, wonach ich komplett sandig war und versuchte Fenster einzutreten. Dann versuchte ich Autospiegel abzutreten. Ich schaffte nichts davon. Mein Date meinte, eine Gruppe Menschen würde komisch zu mir rüber sehen und ich zeigte ihnen den Mittelfinger. Falls ihr an Silvester ein Mädchen in einem knallroten Fake Fur Mantel, in Dr Martens und mit Paillettenhose voller Sand habt ausrasten sehen: Sorry dafür. Sie hatte einen schlechten Rutsch.

 

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Davon abgesehen war das Date sehr schön und wir haben uns am nächsten Tag zum Ausnüchtern alte Godzilla Filme reingezogen. Irgendwann abends am Neujahrstag ortete ich mein Handy in einem Handyladen in Friedenau. Ich musste es einfach versuchen: stark verkatert rief ich die Polizei an, fuhr mitten in der Nacht nach Friedenau und traf eine Einheit vor der Adresse. Bloß existierte der Handyladen in echt nicht, unser „Freund und Helfer“ ist mega nutzlos und wer auch immer mein Handy hatte, schaffte es in der kurzen Zeit die Ortung abzuschalten. Frustriert hinterließ ich noch einen Zettel mit „Finderlohn“-Text als letzten Versuch. Eigentlich war es gar kein Zettel, sondern ein Stück Pappe aus dem Müllcontainer hinterm Haus, weil ich nichts zum Schreiben hatte.

 

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Weihnachten bei Oma: Mama und Baby noch vereint RIP, Sweetie (Rest in Polen)

 

Führerscheinprüfung mit dem Drachen der Dekra

Am 02.01 – am Tag danach – stand vormittags sofort meine praktische Führerscheinprüfung an. B-e-s-t-e-s T-i-m-i-n-g. Ich wusste, ich habe nur diesen einen Versuch und brauche den Schein für Afrika: Das war alles so eine Chaos Planung und ich war an diesem Punkt eh nervlich am Ende. Ich fuhr mit meinem Fahrlehrer zur Prüfstelle. Erst dort erfährt man, wer einen gleich prüfen wird. Als der Name fiel, kam er mir leicht bekannt vor: „Ist das nicht die, von der du…?“, ich sah meinen Fahrlehrer an. Er nickte bloß ausdruckslos: Es war die Prüferin, von der er oft erzählt hatte. Er nennt sie den „Drachen“. Es ist die mit Abstand schwierigste Prüferin der Dekra.

An diesem Punkt hätte ich schon erwägen können, mich das ganze Jahr 2018 über in kryonischen Tiefschlaf versetzen zu lassen, um es einfach 2019 nochmal mit dem Leben zu versuchen.

Wir stiegen zu dritt ins Auto. Ich versuchte mich anzuschnallen und bekam den Gurt dreimal hintereinander nicht zu fassen. Stille. Dann bekam ich den Motor länger nicht an, weil ich die Wegfahrsperre zu hektisch zu lösen versuchte. Die Prüferin wollte nach rechts aus der Parklücke fahren und ich fuhr nach links. Ich hielt kurz an, sagte, ich müsse mal eben durchatmen. Tief aus, tief ein. Dann ging es. Die Prüferin fuhr keine einfachen Strecken, wollte Wenden, Einparken und die Gefahrenbremsung sehen. Ich machte alles exakt richtig und vorausschauend, fuhr nur einmal etwas zu schnell um eine Kurve. Als wir zurück aufs Gelände der Dekra einbogen und mir mein Fahrlehrer und die Prüferin zum Führerschein gratulierten, konnte ich es gar nicht fassen. Ich Idiot habe nach all dem Abfuck tatsächlich noch die Prüfung auf die Reihe bekommen. Wer hätte das gedacht.

Schätze, ich habe drei Monate Südafrika jetzt verdient.

 

 


Die Kommentare sind dieses Mal gesperrt, scusi!

 
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