Stumme Mitleser : Leser sind keine Freunde // Sunday Thoughts

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Leser sind keine Freunde. Über einseitige Vernetzung, digitale Megafone, stumme Mitleser und Datengespenster. Wer seid ihr eigentlich?

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Unsere Welt ist vernetzt. Zu großen Teilen ist diese Vernetzung aber einseitig, was dem Begriff skurril widerspricht. Was ich damit meine? Das Konzept namens Blog funktioniert anders als soziale Medien, denn ein Blog ist besonders offen für stumme Mitleser – wer auch immer diese sind. Darum geht es heute in meinem Sunday Thoughts Beitrag.

Es gibt die Content Creators und es gibt das Publikum. In den sozialen Medien mischt sich beides, denn jeder, der anderen folgt, kreiert gleichzeitig auch selbst Content. Kaum jemand nutzt etwa seinen Instagram Account nur dazu, um zu sehen, was andere so treiben, sondern läd selbst Bilder hoch. Aber beim Konzept Blog funktioniert das anders. Hier rufe ich in mein digitales Megafon und zurück kommt meistens nichts. Ein paar Stimmen flüstern einen Kommentar unter einen Artikel, der Rest bleibt stumm. Ein paar Zahlen huschen wie Datengespenster durch meine Google Analytics. Das ist das Tool, welches mich sehen lässt, wie viele Menschen meine Seite besuchen, wie lange sie sich dort aufhalten und aus welchen Ländern sie kommen. Mehr bleibt uns Website-Besitzern oft nicht.

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Über stumme Mitleser und digitales Blankziehen

Gestern in das weiße Feld meines WordPress Backoffice getippt, jetzt gerade liest du es auf dem Bildschirm deines Laptops, während du dich nach der Arbeit zuhause entspannst. Oder, wenn du zu den 46% der Mobile User gehörst, vielleicht auf deinem Handydisplay in der U-Bahn. Vielleicht kennst du mich persönlich, wahrscheinlich aber werden wir uns nie treffen. Vielleicht liest du das hier in Österreich oder gehörst zu den 0,5% meiner Leser in Japan (äh, Konichiwa?). Ich weiß nicht viel über dich, ich habe am Ende nur gesammelte Statistiken und ein grobes Bild im Kopf. Viele bleiben stumme Mitleser.

Bei einem Blog ist es ein bisschen so, als würde man vor einem doppelten Spiegel blankziehen. Ich offenbare hier viel und schreibe teilweise sehr persönlich. Wer das aber liest, kann ich weder exakt sehen noch bestimmen. Zugänglich ist es jedem. Für stumme Mitleser, Bekannte, Unbekannte. Es gab schon öfters Überraschungen für mich, wenn mir etwa ältere Männer Feedback zu einem Artikel hinterlassen haben. Da denke ich dann „Ach, so jemand liest meinen Blog also auch!“ Ich kann keine Menschen ausschließen, die mich mal persönlich gekannt haben und die mich jetzt ausspionieren. Leute, mit denen ich mich zerstritten habe oder solche, die ich auf Facebook und Instagram blockiert habe (die Liste ist lang). Dieser Blog macht mich ultimativ stalkbar. Ich habe zwar keinen, aber jeder eifersüchtige Ex würde das hier lieben. Ich schreibe einen Artikel über Tinder und frage mich: Wer wird ihn lesen? Mein Arbeitgeber, meine Tanten, der Typ, dem ich letztens einen Korb gegeben habe? Schon bei meinen Instagram Stories wundere ich mich ab und zu, wer die so alles anklickt. Ich sollte wohl in keinem Artikel dermaßen vertraute Töne anschlagen, obwohl ich das gerne tue.

Auch, wenn ich meine Leser so sehen will, es sind nicht meine Freunde.

Jedenfalls nicht jeder davon. Daran will ich oft nicht denken, wenn ich hier, wie gerade, abends mit Avocadoschnitte und Grüntee gemütlich vor meinem Laptop sitze und ein paar Wörter tippe. Aber meinen Blog kühl und unpersönlich halten? Das ist für mich auch keine Option.

 

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Wie viel sollen Blogger von sich preisgeben?

In meine Blogartikel bringe ich gerne Persönliches ein. Eine Anekdote hier, ein paar Gedanken da. Es gibt Blogger, die sehen ihren Webspace eher als ein Business oder konzentrieren sich auf reine Produktpräsentation. Vielleicht müssen sie sich weniger Sorgen um unerwünschte Leser machen? Wer viel von sich Preis gibt, riskiert auch viel. Es ist das World Wide Web und auf so manches unbedarfte Geständnis kann ein richtiger Shitstorm folgen. Man macht sich angreifbar. 

Für mich löse ich es so: Ich muss tolerieren, dass mein Blog eine öffentliche Plattform ist. Schließlich lese ich selbst auch unzählige Blogs und kommentiere anschließend nicht – täglich bin ich selbst der stumme Mitleser und das ist auch okay so. Denn: So funktioniert die Sache nun einmal. Dass sich nur ein kleiner Teil der Leser in den Kommentaren „outet“, ist ganz normal. Da akzeptiere ich das kalte Schauern, wenn ich daran denke, was für stumme Mitleser alles unerwünscht meine Artikel lesen könnten. Auch könnte mich jederzeit jemand auf der Straße erkennen und mich mit einem persönlichen Detail konfrontieren, welches ich mal in meinen Monatsrückblicken erwähnt habe. Wahrscheinlich ist es nicht, möglich aber trotzdem. Das ist der Preis für das regelrecht erlösende Gefühl, mir Herz und Seele in manchen Blogposts herauszuschreiben. Für Leser sind persönlichere Töne auch interessant, denn ich selbst lese auf anderen Blogs schließlich ebenfalls gerne über Privates. Was bewegt die Autorin wirklich, was erlebt sie? Eine Prise Herz macht Blogs erst lesenswert, wie ich finde. Als Outlet brauche ich meinen Blog ebenfalls und dieses Opfer ist es mir wert.

 

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Patches Lederjacke Streetstyle mit DIY Drapage

Okay, kommen wir von den grundsätzlichen Gedanken zum Outfit des Tages: Meiner Lederjacke mit Patches, unter der ich verschiedene Tops gelayert habe – nämlich das gestreifte Longsleeve und das sheer Top/ Kleid, das ich in meiner Jeanstasche drapiert habe. Damit das lange Top nämlich nicht so formlos an mir runter hängt, habe ich einen Teil davon in meine Jeanstasche geknüllt, um diesen Wasserfall-Effekt zu erzeugen (#innovativ). Dazu trage ich meine nicht-so-basic-aber-trotzdem-basic Stiefeletten, die hinten dieses süße Schleifendetail haben. Ich brauchte mal welche, die ich zu allem tragen kann, die aber trotzdem nicht zu langweilig aussehen.

 

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Vielen Dank an Max für die tollen Bilder!

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19 Comments

  • Du hast völlig Recht mit dem was du schreibst und doch freut man sich über jeden kommi den man erhält, weil es beweist, dass es wirklich menschen gibt, die jede einzelne Zeile lesen. LG Romy…..PS: Die Jacke ist echt cool

    • Also das zum Beispiel stört mich gar nicht so – ich habe meistens nicht das Gefühl, dass ich „zu wenig“ Kommentare oder Rückmeldungen erhalte, dass ich ins Leere schreibe. Aber es hinterlässt halt nicht JEDER einen Kommentar und wer weiß, wer das hier noch so alles anklickt. Ob jemand hier jede einzelne Zeile liest und sich noch nie zu erkennen gegeben hat!

      Liebe Grüße,
      Malin

  • Hallo mal in
    Heute wird in deiner Statistik Costa Rica auftauchen 🤗 bin in einer Facebook Gruppe über deinen Post der stillen Mitleser gestolpert. Für mich ist die WordPress Weltkarte immer am spannendsten. Da gibt’s manchmal LÄNDER wo ich mich Frage, wer interessiert sich denn da für die Weltreise einer „no-name“ Schweizerin? ¿!?

    Fashion ist nicht unbedingt mrun Thema, aber ich hab deinen travel Insta Account abonniert.

    Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg beim Bloggen und viele aktive & Stelle Mitleser 😊

    Liebe Grüsse Christine
    http://Www.blacky-on-tour.ch

    • Hi Christine,
      haha, ganz genau so geht mir das auch, wenn ich auf die Länderverteilung sehe – da ist irgendwie fast jedes Land dabei und ich habe keine Ahnung warum. Dann ist wenigstens Costa Rica erklärt, nice Und hey, freu mich super, ich will den noch viel weiter aufbauen!

      Ganz liebe Grüße,
      Malin

  • Sehr gut geschrieben! Darüber habe ich auch bereits des Öfteren nachgedacht und komme jedes Mal wieder zu dem Schluss, dass ein Blog doch auch dafür da ist, um seine Gedanken zu teilen.
    Jeder Kommentar ist ein Gewinn für mich und ich freue mich, dass die Artikel gelesen werden.

    Zugegeben, bin ich bisher auch immer nur stille Mitleserin gewesen, aber aktuell bin ich dabei, das aktiv zu ändern
    Vor kurzem habe ich auf einem Blog sinngemäß gelesen: Wie soll jemand wissen, dass dir gefällt, was die Person schreibt, wenn du nichts sagst?
    Das habe ich mir sehr zu Herzen genommen

    Und zum Outfit: Ich mag auch die Jacke sehr gern und dadurch den rockigen Stil.

    Liebe Grüße,

    Franzi von Milkandhoney Lifestyle

    • Vielen lieben Dank
      Ich denke, ein Blog kann vieles sein. Gerade heute ist es für viele ein kompletter Job und auch ich selbst lande immer wieder auf reinen Produktblogs, wenn ich schnell eine Review über irgendetwas lesen will, das ich überlege zu kaufen. So was braucht die Welt auch. So richtig hängen bleibe ich bei denen aber nicht, da googelt man einmal vorbei und das wars.

      Du hast auch total recht mit dem Ansatz, ich selbst sollte auch viel öfter kommentieren Gerade kleinere Blogs brauchen etwas Bestätigung und Feedback, es ist so wichtig!

      Liebe Grüße.
      Malin

  • Hey, ich bin auf FB in einer Blogging-Gruppe, in der ich neu bin, über deinen Post hier gestolpert und hab mich sehr gefreut, dass das Thema mal nichts mit Mode und Schminktipps zu tun hat. Insofern finde ich Deine Anfangsgedanken auch sehr spannend. Leider – ich sag das mal so direkt – wechselst Du dann doch abrupt zu den Outfits 

    Nun denn, ich schau mal nochn bissel bei Dir rum, lass den Kommentar hier mal so liegen und wer weiß, vielleicht finde ich in den vielen Wörtern von Dir doch noch etwas, was dem entspricht, was ich suchte.

    Dir weiterhin viel Erfolg – ist auf jeden Fall ne dufte gemachte Seite 

    Liebe Grüße aus Berlin nach Berlin,
    Nora

    P.S.: Kannste den ersten Kommentar bitte löschen? Ich kam bissel mit der Groß-/Kleinschrift bei Deiner Schriftart durcheinander … *ups

    • Haha, ja das war sneaky von mir oder? Erst geködert, dann ZACK doch nur Mode Ich mache das bei meiner Sonntagsreihe ganz gerne – in erster Linie ist das hier ein Fashionblog, aber nur über Mode reden ist auch langweilig, also verbinde ich die Outfitfotos ganz gerne mit meinen Gedanken. Denn zu denen fehlen die schönen Bilder. Aber vielleicht muss ich noch etwas am Übergang arbeiten – danke für dein Feedback und liebe Grüße

  • ein schöner und wahrer text. auch ein grund, warum ich eigentlich keine sozialen netzwerke nutze, um meinen blog zu „promoten“ – denn dort kommen fast nur stille leser her, während das, was ich am bloggen so mag, der austausch ist. die blogosphäre der leser und kommentatoren wird trotz allen trends nicht größer, die vielen, die beginnen zu bloggen, weil sie sich daraus ihren traumjob erhoffen, überschwemmen dieses medium. wohin es sich entwickeln wird, weiß man heute vermutlich noch nicht wirklich, ob es bestehen bleiben kann oder ob es durch all die schnelleren, aktuelleren kanäle letztlich verdrängt wird…

    • Also das wäre für mich keine Option – ich finde, dass soziale Medien ein Muss sind für Blogger, außer natürlich man sagt, man bloggt nur für sich und einen ganz kleinen Kreis. Das kann ich auch verstehen. Stumme Leser sind ja auch nicht direkt immer etwas schlimmes, es ist eher der Großteil der Leser. Wenn man da ganz genau drauf achten will, kann man eigentlich nur mit Passwort bloggen und einigen wenigen dieses geben – aber das zerstört ja etwas den Sinn von einem Blog in meinem Sinne.

      Liebe Grüße

  • Erstmal ein großes Kompliment für die tollen Bilder! Die gefallen mir super gut, genauso wie dein Outfit.
    Ich finde deine Gedanken zum Thema Blogleser echt interessant und ich denke, dass die persönliche Note einen Blog ja auch irgendwo ausmacht. Klar wissen wir nicht wer das so alles liest, aber da muss man als Blogger einen guten Mittelweg für sich finden (und den muss jeder für sich selbst definieren) mit dem man leben kann.

    Liebe Grüße, Milli
    (http://www.millilovesfashion.de)

  • Oh, das mit den stummen Mitlesern kenne ich. Besonders immer am Anfang eines Blogs
    Ich wusste anfangs nicht wie viel ich von mir preisgeben soll und habe mich nun dazu entschieden, auch mehr Leichtigkeit durch Ehrlichkeit und Offenheit in meinen Blog zu bringen.

    Auf jeden Fall toller Post und ich selbst habe es mir als Ziel gesetzt, unter jedem Artikel ein Kommentar zu verfassen, welchen ich bis zum Schluss gelesen habe. Ob Kritik, Lob oder Anregungen, selbst wenn es nur liebe Grüße sind. Schließlich würde ich mich selbst auch drüber freuen

    Liebste Grüße
    Lu

    http://oceanhippieblog.wordpress.com

  • Auf jeden Fall macht man sich angreifbar. Das haben auch schon viele Leute in meinem Umfeld kritisiert oder verstehen es nicht. Letztendlich bleibt es jedem selbst überlassen, was man wie und wo von sich preisgibt, zum Glück.

  • Ich bin immer sehr überrascht wie viel die Menschen einem mitteilen, manchmal bekomme ich tagelang keine Kommentare dafür aber einige E-Mails in denen man so viel mitteilt und irgendwie zeigt, dass man gelesen und verstanden hat.
    Für mich ist das viel mehr wert als jeder Kommentar der Welt

    • Okay, ich habe gar nicht das Gefühl, wenige würden kommentieren – solche Emails bekomme ich allerdings nicht, haha. Es geht mir eher um die, die nie kommentieren, aber mitlesen und ich nicht weiß, wer das alles so ist.

  • Mir schreiben etliche per E-Mail, dass sie meinen Blog ja so toll finden und es bewundern, dass ich mich im Rollstuhl öffentlich im Internet zeige. Der nächste Satz ist dann aber meistens der, dass es ihnen leid tut, dass sie öffentlich nicht dazu stehen wollen, dass sie meinen Blog lesen, weil ich im Rollstuhl sitze, behindert bin und das ja peinlich ist. Also abonnieren sie weder meinen Blog, noch kommentieren.

    Liebe Grüße,

    • Was läuft denn bei denen schief? Ich bin schockiert, wie auch nur eine Person auf so eine Idee kommt… und dann passiert das auch noch öfters? Ich habe noch nie mitbekommen oder erlebt, dass es jemandem peinlich (?!) ist mit Leuten im Rollstuhl gesehen zu werden oder – in diesem Fall – einen solchen Blog zu kommentieren. Wie ignorant muss man sein, dir das auch noch zu schreiben UND offenbar zu denken du freust dich noch drüber. Ist eher peinlich wie behindert die sind.

      Liebe Grüße zurück und lass dir keinen Scheiß erzählen

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