Über das Gefühl von Freiheit // Sunday Thoughts

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Acht Monate Hippie-Leben in Australien haben mich dazu gebracht meinen Freiheitsbegriff neu zu definieren. Was ich denke, was Menschen zur ultimativen Freiheit brauchen, lest ihr zu unserem Shoot im Botanischen Garten.

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Freiheit – was ist das überhaupt? Wer auch nur mal halbwegs mitbekommen hat, wie es in Philosophie Diskussionen abgeht, weiß, dass so ziemlich jedes Wort Deutungssache ist. Ist es Freiheit, wenn ich gesund bin und dem Job nachgehen kann, den ich liebe und im Jahr immer noch genug Geld übrig habe für eine kurze Reise? Ist es Freiheit, wenn ich in einem Land lebe, in dem ich meine Sexualität frei ausleben kann ohne zu riskieren gesteinigt zu werden? Wenn ich mich nicht verhüllen muss? Ist es Freiheit, wenn ich praktisch halbnackt in einem öffentlichen botanischen Garten herumtanzen kann? Oder ist es erst richtige Freiheit, wenn ich keinem System unterworfen bin, welches mir unter Androhung von Strafen vorschreibt, wie ich mich zu verhalten habe und wie viel meiner Einnahmen ich gezwungen bin abzugeben? 

Freiheit ist ein Gefühl

Ich denke, ob man sich frei fühlt, liegt vor allem am eigenen Lebensweg. Würdest du aus einem Land voller Krieg kommen, wäre für dich sicher alles frei, wo du ruhig schlafen kannst. Wärst du in einer Hippie Kommune aufgewachsen, könnte jede größere Stadt oder jedes kapitalistische System für dich einschränkend wirken. Vielleicht kann Freiheitsgefühl sogar anerzogen werden: In den USA ist Freiheit ja praktisch auch nur ein Slogan, der immer wiederholt wird, gefolgt vom obligatorischen Adlerschrei aus dem Off. Wenn man Freiheit für ein ganzes Land so definiert, dass jeder frei ist, der eine Schusswaffe ohne Einschränkungen besitzen darf, macht man es sich natürlich mehr als einfach. Trotzdem scheinen einige US-Amerikaner tatsächlich an ihre ultimative Freiheit zu glauben.

Deutschland empfinde ich allerdings auch nicht als sonderlich freier. In Deutschland haben wir einen gewissen Lebensstil, der sich sehr um Arbeit und Leistung dreht. Ob auch gut für den Geist ist, was der Wirtschaft hilft, kann man da eher hinterfragen. Man steckt von Anfang an sehr in einem vorgefertigten Mindset fest – meine Eltern haben mir auch nichts anderes beigebracht. Es gibt immer mehr Selbstständige und immer mehr Backpacker – vielleicht kann man das als Trend sehen, dass wir ein steigendes Bewusstsein für alternative, nicht ganz so limitierende Wege entwickeln. Ich finde es gut, wenn Menschen einen Blick über den Tellerrand wagen, um zu hinterfragen, was ihnen ihre Eltern über ihren 9-5 Job beigebracht haben. 

Ich fühle mich nicht frei – und bin relativ glücklich darüber. Das klingt etwas seltsam, I know. Dieser Satz bedeutet, dass ich mal pure Freiheit gekostet habe und nur durch diese Erfahrung ein gewisses Bewusstsein entwickeln konnte. Ein Bewusstsein, welches mich dieses Leben jetzt anders sehen lässt.

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Backpacken – Mein Gefühl von Freiheit

Als ich mit 19 in Australien war, habe ich mich ultimativ frei gefühlt. Direkt nach dem Abi die Sachen gepackt, alleine losgeflogen und Work&Travel gemacht. Teller waschen in Sydney, Feldarbeit in New South Wales und Victoria. BÄM. Es war der krasseste Bruch in meinem Lebensstil, den man sich vorstellen kann. Von der Schulbank auf die Felder. Kugelschreiber gegen Heckenschere tauschen. Der ganze Alltag, den ich bis dahin kannte, löste sich einfach auf. Nach dem ersten „Shit, was mache ich hier eigentlich?“, habe ich mich erstaunlich schnell an den neuen Lebensstil gewöhnt. Ich habe gar nicht explizit über unsere Gesellschaft angefangen nachzudenken, aber diese Reise hat mich nach und nach verändert. Ich war 8 Monate in Australien und lange Zeit davon hatte ich nicht einmal einen Rückflug gebucht. Allein das hat viel für mein Freiheitsgefühl getan – ich war einfach da, das war mein neues Leben und ich hatte keine Deadline im Kopf. Außerdem war ich 19 und hatte nicht mal ein Gefühl fürs Altern entwickelt. Ich war noch ganz in dieser Phase, in der man sich unsterblich fühlt. Als würde man ewig ein Teenager bleiben. Dazu noch kam das Geld von Zuhause und ich musste mir auch darum keine Sorgen machen. Nicht wirklich. Ich hatte keine Finanzen im Hinterkopf oder musste mir darüber Gedanken machen, mit viel Geld ich noch für wie lange auskomme. In dem Alter wurde auch noch gar nicht von mir erwartet, mich finanziell selbst versorgen zu können. Alles war so einfach.

Zu der finanziellen und doppelten zeitlichen Unabhängigkeit kam noch die örtliche. Wir haben uns in Sydney einen Van gekauft und haben diesen klassischen East Coast Trip hoch nach Cairns durchgezogen – durch drei Klimazonen hindurch. Wir konnten schlafen, wo wir wollten. Wenn wir morgens mit der Sonne aufgewacht sind, konnten wir uns überlegen, ob wir lieber an den Strand wollten, zum Wandern in die Berge oder lieber in eine kleine Stadt, um eine Bibliothek zu suchen. Nur da hatten wir nämlich Internet. Kann ich mir heute kaum noch vorstellen: Sich selbst freiwillig vom Internet abzukoppeln. Für 8 Monate. In Australien habe ich nichts mitbekommen, was Weltgeschehen, Trends oder Social Media anging. Beste Zeit meines Lebens. Ich erinnere mich noch so gut an dieses Gefühl der puren Sorglosigkeit. Es hat sich nicht sofort eingestellt, es kam erst nach mehreren Monaten mit all diesen Freiheiten. Es war verdammt schwer zu erreichen.

Klar, es war nicht immer angenehm bei dieser Hitze in einem winzigen Van festzustecken. Einmal mussten wir im Regen duschen und wir haben uns praktisch ausschließlich von Dosenthunfisch und Tankstellen Meatpies ernährt. Es war kein eleganter Lebensstil, aber ich bin ehrlich gesagt gar nicht die Person, die das überhaupt braucht. Tief im Herzen bin ich einfach ein dreckiger Hippie, dem drei T-Shirts im Gepäck reichen, solange eins davon noch okay riecht.

Ich brauche drei Unabhängigkeiten für ein echtes Freiheitsgefühl: Finanzielle, zeitliche und örtliche

Dass ich diese Freiheit noch einmal fühlen werde, halte ich für sehr unwahrscheinlich. Mit 25 habe ich ein Bewusstsein dafür, dass ich älter werde. Ich habe gesundheitliche Probleme, die mich einschränken. Ich habe Überzeugungen, die mich meine Ernährung haben überdenken lassen. Ich habe mehr Sorgen, Abhängigkeiten und Verantwortungen. Ich hatte noch keine verrückte Geschäftsidee, die mich in die Richtung der finanziellen Unabhängigkeit hätte bringen können. Aber was ich versuche, ist jeden oder jeden zweiten Winter 3 Monate zu backpacken. Es ist nicht die ultimative Freiheit, aber es kommt ihr sehr nahe. Nur wenn ich reise, fühle ich mich frei.

Mein ganzes heutiges Mindset baut im Endeffekt auf dem auf, was ich in Australien übers Leben gelernt habe. Allen ist aufgefallen, wie verändert ich damals zurück nach Deutschland gekommen bin. Jetzt wünsche ich jedem so eine Erfahrung machen zu dürfen. 

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Vielen Dank an Annette für die tollen Fotos!

 

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15 Comments

  • Was für ein schöner Beitrag! Ich kann dich verstehen. Immer wieder erlebe ich Situationen in denen ich mich frei fühle. Es können ganz banale sein aber meistens sind es die, in denen ich ganz bei mir bin und alles um mich herum und auch mich selber bewusst wahrnehme.
    Fernab von Konventionen und Erwartungen ist es eben frei. Leben von der Hand in den Mund. Es ist letztlich immer eine Frage, was wichtig ist. Sicherheit oder Freiheit. Ultimative Freiheit entbehrt für mich jeder Sicherheit. Wer auf Sicherheit setzt, gibt dafür Freiheiten auf. Diese beiden Zustände schränken sich für mich gegenseitig ein.

    xo Rebecca
    https://pineapplesandpumps.com/

  • Schöne Worte und ich bin wirklich gespannt, wie ich in ein paar Monaten oder Jahren über das Thema denken werde. Ich war auch nach dem Abi in Australien (wenn auch nur für 2 Monate und „nur“ zum Reisen), aber da ich schon seit Ewigkeiten mit meinem Mann zusammen bin, war diese 100%ige Freiheit nie da, wenn natürlich muss man immer gemeinsame Kompromisse finden. Das weiß ich aber sehr zu schätzen, denn im Gegenzug bekomme ich so viel zurück. Wir gehen nächstes Jahr gemeinsam auf Weltreise, lassen allen Besitz und alles, was wir uns erarbeitet haben, zurück und starten mehr oder weniger in ein neues Leben. Ob es auch wirklich ein freies Leben wird?! Wir sind gespannt und ich freue mich riesig auf das Erlebnis. Danke für den schönen Text, hat Spaß gemacht, ihn zu lesen

    Schöne Grüße,
    Caro

    • Hi Caro,

      wow, das hört sich wunderbar an! Ich denke auch, dass einen Reisen glücklicher machen als Besitz – das ist so ein mutiger Schritt von euch! Eure Zeit wird sicher unglaublich spannend, ich selbst könnte mir so eine Entscheidung auch gut für mich vorstellen, irgendwann mal. Und naja, ich bin am Ende mit meinem damaligen Freund gereist und musste den Kompromiss schließen, die Reise zu beschleunigen und früher zu beenden als ich wollte. Er hatte Heimweh. Ich war jung und dumm und werde nie wieder im Leben solche dämlichen Kompromisse schließen. War es nicht wert.

      Liebe Grüße,
      Malin

  • Mit Freiheit verbinde ich schon ganz kleine Dinge, die aber für mich eine große Bedeutung haben: Am Strand zu sitzen und entspannt meinen Kids beim Spielen zuzusehen, in einem Pool zu schwimmen und in den Himmel zu schauen oder auf einer Wiese zu stehen und Gänseblümchen zu zählen. Wie du schon sagtest, Freiheit ist für jeden etwas anderes. Schöne Worte, die du da geschrieben hast und die zum Nachdenken anregen. Alles Liebe Marie

    • Also ob ich privilegiert bin, ist auch so eine Relations-Frage. Ich bin total normal aufgewachsen, meine Eltern haben auch ganz normale Jobs. Ich denke in Deutschland haben gerade nach dem Abi sehr viele Menschen die Möglichkeit so zu reisen – ob sie jetzt davor arbeiten, in dem Reiseland arbeiten oder auf Unterstützung bauen. Es ist auf jeden Fall ein Privileg, aber kein seltenes.

  • Freiheit ist ein so unglaublich großes Wort..ich wüsste gar nicht wie ich es richtig definieren würde. Deine Worte sind dazu auf jeden Fall passend und die Fotos – man, wo bekommst du immer diese schicken Kleider her!

  • Deinen Text fand ich sehr spannend zu lesen. Dieses Gefühl kenne ich so nicht wirklich, aber die Unbeschwertheit als Teenager, wo einem die Welt noch offen steht, kenne ich auch. Zumindest so ähnlich. Ich habe nach dem Abi direkt eine Ausbildung gemacht und danach studiert. Im Nachhinein finde ich es schade, dass ich die Chance für einen längeren Auslandsaufenthalt nach dem Abi oder während des Studiums nicht genutzt habe.

    Liebe Grüße

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