WG Suche in Berlin: Über WG Sklaven und Karma Miete

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Massencastings, unverschämte bis skurrile Angebote und sitzen gelassene Omas: Über den Frust meiner WG Suche.

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Ich suche eine WG. Wie bei den meisten, ist meine WG Suche in Berlin ein sich ätzend dahin streckender Prozess mit mehr Frustration als Erfolg. Nicht nur, dass sich Zugezogene auf jedes 10qm Zimmer für 450€ monatlich werfen und die Such-Portale voller Freaks wimmeln: Selbst, wenn man mal ein Casting ergattert hat, steht bloß der nächste Bullshit an. Oder wer freut sich ernsthaft über die Chance, seine 30 Minuten im getakteten Massencasting hektisch damit verbringen zu müssen, mit viel falschem Lächeln möglichst viele potenzielle neue Mitbewohner für sich zu gewinnen? Mein Leidensweg und dreistesten Angebote:

Komische WG Angebote in Berlin: WG Sklaven und Karma Miete

Immer wieder stoße ich beim Ausschau halten auf WGgesucht.de auf die seltsamsten Wohn-Konzepte. Da war etwa diese Gruppe am Stadtrand, die jeden mietfrei wohnen lässt, solange man bei einem mysteriösen „Game of Harmony“ genug Punkte sammelt. Dieses Spiel wird laut der WG von einem Psychologen durchgeführt und soll auf Zuhören und Vortragen basieren, um sich selbst als „real being“ zu entdecken. Ebenfalls akzeptierte Punkte: Alten Leuten über die Straße helfen, Musik unterrichten und Filme zuschneiden. Welches Real Being nun am Ende die Miete zahlt, blieb unklar.

Wie U1 fahren mitten in der Nacht, bringen einem WG-Portale Gestalten näher, die man sonst nie zu sehen bekommt 

Etwa zeitgleich kontaktierte ich noch ein harmlos wirkendes Angebot eines Florians aus Mitte. Der wiederum antwortete mit einer erstaunlich langen Mail, in der er sich als „WG Sklave“ outete, der komplett seinen weiblichen Mitbewohnern unterworfen ist. Es wäre eine normale WG, meinte er, nur, dass er putzt, wäscht und Einkäufe erledigt, wenn man es ihm befielt. Er würde sich auch gerne finanziell ausnutzen lassen. Selbst, wenn ich das Zimmer nicht wollen würde, könnte er sich als Geld-Sklave anbieten. Super weird. Nach dem ersten Stirnrunzeln beschloss ich, dass ein WG-Sklave für mich Princess Potato die perfekte Lösung des „Ich bin zu faul zum Abwaschen“-Problems wäre. Ich wollte der Sache eine Chance geben, solange die Leute trotzdem cool sind. Die können ja ihr Fetisch Ding gerne machen, who cares. Dann aber wurden seine Mails immer stranger, bis er tatsächlich die Beherrschung verlor und mir eine wütende Antwort schrieb, nachdem ich ihm deutlich geschrieben habe, dass ich nicht so drauf bin und ihn maximal mal bitten würde abzuwaschen. Tja, ich werde wohl doch selbst Geschirr spülen müssen. Woanders. 

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Ich bin auch nicht die Einzige, die bei der WG Suche in Berlin nur auf Komisches stößt: Eine Bekannte von mir hat sogar dermaßen resigniert, dass sie den Einzug in eine Hippie WG erwog. Die lebten nach dem Konzept, dass Besitz nicht existiert und sie nutzen absolut alles gemeinschaftlich. Sie ist eigentlich gar nicht so drauf, war aber verzweifelt genug zu überlegen, die nächsten Monate in abwechselnd getragenen Batik T-Shirts zu verbringen.

Es fängt eigentlich schon mit den zwielichtigen Inseraten einiger Single Männer an, die Frauen Wohnen „für umsonst“ anbieten. Nichts im Leben ist umsonst und ich frage mich, warum die Portale solche Angebote nicht direkt löschen. Ich hoffe, die Frauen, die das ernsthaft annehmen, schlagen wenigstens einen guten Deal heraus. Denn mal ehrlich: 350€ – oder wie viel sie dafür an Miete sparen- sind nicht wirklich etwas wert. Generell verwechseln manche Männer die Plattformen gerne mal mit Tinder oder versuchen sich auf diese Art so etwas wie ihren eigenen Harem Zuhause aufzubauen. Alles schon gesehen.

WG Suche in Berlin – eine Massenveranstaltung

Es sind ja nicht nur die seltamen Dudes, welche die WG Suche in Berlin unerträglich machen. Als Urberliner regen mich als erstes die dreist teuren Preise auf: Letztens wurde mir ein Zimmer in Neukölln für 500€ monatlich angeboten. Dass ahnungslose Zugezogene das ernsthaft zahlen, ist nichts außer traurig.


Related: „Was mich an Berlinern wirklich stört“ (zum Artikel)


Der ganze Ablauf nervt mich: Da bekommt man auf alle paar mit großem Aufwand liebevoll verfassten Anfragen endlich eine Antwort und fast immer wird einem ein sehr kurzfristiger „Friss oder stirb“-Termin angeboten. Meistens soll man schon am nächsten Tag zu einer bestimmten Zeit erscheinen. Wenn das nicht passt, kann man gleich weitersuchen. Die meisten WGs wählen einen Bewerbertag, an dem sich eine größere Auswahl im strengen 30-Minuten-Takt vorstellen darf. Die Bewerber geben sich die Klinke in die Hand, man lächelt sich unangenehm berührt zu und geht schnell aneinander vorbei. 30 Minuten, um jemanden kennenzulernen – das ist wie Heiraten nach Speed Dating. Solche WGs sind mir direkt unsympathisch, da sie sich keine Zeit für den Einzelnen nehmen.

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WG Suche ist Belastung pur

Tatsächlich bin ich on und off schon seit dem Sommer auf WG Suche in Berlin und pausiere zwischendurch immer wieder Monate. Alles an der WG Suche in Berlin missfällt mir und Ablehnungen empfinde ich jedes Mal als persönlichen Angriff. Bei einer Jobsuche etwa könnte ich ein Nein einfach hinnehmen, aber so ist es ja tatsächlich eine persönlich zu nehmende Entscheidung, die meinen Charakter und nicht mein Können angreift.

Letztens wieder: Da schreibe ich lange an einer netten Anfrage und bekomme wieder einen kompromisslosen Termin am nächsten Tag angeboten. Eigentlich war der ganze Sonntag dafür verplant, meine kranke Oma im Krankenhaus zu besuchen. So blieb mir nur ein kurzer Moment bei ihr und ich musste sie sitzen lassen, um zum Casting zu rasen. Dort hatte ich kaum Zeit mich überhaupt vorzustellen, bis die nächste Bewerberin (zu früh) kam. Die WG schlug vor, mich später anzurufen. Das war nicht nur dahin gesagt, wir planten und besprachen es fest. Die Jungs wirkten cool und locker, gehen zu den gleichen Festivals wie ich. Und später saß ich zwei Stunden vor einem Telefon, das nicht klingelte. Absolut jede E-Mail von mir wurde ignoriert. Ich habe meine kranke Oma sitzen lassen für Menschen, die sich nicht einmal fünf Minuten nehmen, um anderen Bewerbern auch nur abzusagen, die extra persönlich erschienen sind.


Watch: Dieses Musikvideo zum Thema Wohnungssuche in Berlin, in dem ich sogar mittanze. Besser als der Songtext kann man es auch eigentlich nicht ausdrücken.


 

Sitzen gelassen

Diese WG Suche in Berlin führt mir immer wieder vor Augen, wie rücksichtslos Menschen werden, sobald man ihnen nur die geringste Macht über Andere gibt. Generell ist das Machtverhältnis belastend – man ist als Suchender ständig in der Position, Andere dazu zu bringen, einen zu mögen. Bei jedem Casting fühle ich mich wie ein Zirkustier, das eine gute Show einlegen muss. Leiere mir immer ein Lachen aus den Rippen, obwohl ich nur noch entnervt bin. Die meisten Inserierenden haben zu wenig Anstand, um ein Kennenlernen von Angesicht zu Angesicht überhaupt anstreben zu wollen. Die suchen doch genauso eine Mitbewohnerin, wie ich eine WG suche – eigentlich sollten wir gleichermaßen auf dem Prüfstand stehen. Aber dazu ist Berlin zu überlaufen.

Egal wie unfreundlich oder unattraktiv ein Angebot wirkt, es werden sich so oder so Massen bewerben. Das gibt viel Raum für Unverschämtheiten. 

Meine eigenen, übermäßig freundlichen Mails hängen mir jetzt schon zum Hals raus. Ich schmiere da bloß irgendwelchen Idioten Honig ums Maul. Es ist frustrierend.

Zur ultimativen Kapitulation kam es, als ich bei einem Casting eine tolle WG gefunden habe, mit dessen Hauptmieter ich mich wunderbar verstanden habe. Wir beide kreative Freelancer, gleicher Humor, es lief in meinen Augen richtig gut. Noch da mit mir war eine Bewerberin, welche sicher 10 Jahre jünger war als unser potenzieller Mitbewohner. Sie wirkte eher blauäugig, wohnte erst seit zwei Wochen in Berlin und während ich mich vorstellte, musste ihr der Mitbewohner mehrmals von mir verwendete Wörter wie „Freelancer“ und „Webspace“ erklären. Noch dazu ließ sie fallen, dass sie direkt mit ihrem Freund einziehen möchte – der ist aber nicht mal zum Casting erschienen. Sie wirkte wie die so ziemlich letzte Person, die ich für ein Zimmer auswählen würde, hätte ich eins zu vergeben. Auch wirkten die beiden nebeneinander komplett beliebig. Als hätte man zwei Menschen von der Bushaltestelle willkürlich zusammen in einen Raum gestopft. Sie unterhielten sich nicht einmal richtig. Und jetzt ratet mal, wer von uns das Zimmer bekommen hat? Richtig, das Bushaltestellen-Mädchen. 


Inzwischen suche ich nicht mehr. Bald reise ich monatelang durch Südafrika und wenn ich wieder komme, gründe ich meine eigene WG mit Strippern und Blackjack. Und dann zeige ich Berlin, wie anständige Castings gehen.

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Die Fotos stammen von Alejandra Loaiza

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27 Comments

  • Als ich damals eine Wohnung in Berlin gesucht habe, hatte ich Wohnungsbesichtigungen mit bis zu 60 Personen. Es war echt frustrierend. Auch ich wurde nie zurück gerufen. Ich habe zwar damals keine WG gesucht, aber auch bei einer Wohnungssuche erlebt man echt schräge Angebote. Ich finde es echt erschreckend, was einige Menschen für eine Wohnung alles machen würden. Viel Glück noch bei deiner Suche. Hoffentlich hältst du uns auf dem Laufenden. Alles Liebe Marie

    • Oh man, 60 Personen! Das klingt tatsächlich auch sehr anstrengend. Eigentlich kann man froh sein, wenn man überhaupt was bekommt, aber ich möchte ja auch ein schönes Zuhause

      Liebe Grüße und vielen Dank,
      Malin

  • Ich muss zum Glück nie auf Wohnungssuche in einer großen Stadt gehen und kenne diese Szenarien daher nur aus Erzählung zahlreicher Freundinnen, die es zum studieren in eine Großstadt zog. Das was du beschreibst habe ich schon so oft gehört und es ist wirklich erschreckend wie schlecht der Wohnungsmarkt ist.

    Liebe Grüße, Milli
    (http://www.millilovesfashion.de)

  • Ich finde es echt schade, dass es so abläuft. Dein Beitrag war mal wieder super interessant, danke für die Einblicke in deine Erlebnisse! Ich war zum Glück nie in der Situation eine WG finden zu müssen. Aber ich hasse es auf Knopfdruck freundlich sein und Smalltalk machen zu müssen, damit mich andere sympathisch finden.

    Liebe Grüße,
    Diana

  • Danke für den tollen Einblick. Ich habe schon oft davon gehört und es ist echt traurig, dass es so wenig bezahlbaren Wohnraum in den Großstädten gibt und man sich auf so etwas einlassen muss.
    Liebe Grüße
    Anja von Castlemaker.de

  • Ich musste zwar noch nie nach einem WG Zimmer suchen, da ich ein WG Leben für mich von Anfang an ausgeschlossen habe. Damals bin ich direkt mit meinem damaligen Freund zusammen gezogen und später nach der Trennung in meine eigene Wohnung. Allerdings habe ich vor ein paar Monaten eine kleine Reportage über eben dieses Thema gesehen und konnte nur mit dem Kopf schütteln. Was für unverschämte Angebote es einfach teilweise gibt… und vor allen Dingen die Preise für ein kleines Zimmer!!! Da kann man sich doch schon fast eine 2-Zimmer-Wohnung für sich allein anmieten oder nicht? Und hey, die Idee mit der eigenen WG ist doch eine gute Alternative!!!

    Liebe Grüße,
    Tani

    • Für eine eigene WG muss man sich aber auch den Wohnungsmarkt antun.. nicht einfacher.. leider. Also ich will echt unbedingt in eine WG, kenne auch ausschließlich Leute, die so wohnen. Da brauch ich keine Reportage Ich denke, manche Preise sind so teuer, weil einige einen alten Mietvertrag haben und dann dein neues Zimmer teurer berechnen als ihr eigenes, damit sie selbst sparen. #Asozial

      Liebe Grüße,
      Malin

  • Ich dachte schon in Wien ist es schwierig ein WG-Zimmer zu finden… Aber da gibt es nicht so viel Verrückte, die das mit Tinder verwechseln oder dich in deiner Lebensphilosophie belehren wollen… Hier gibt es einfach nur verdammt viel Konkurrenz.
    In so einer Situation bleibt eh nichts anderes übrig als selbst eine WG zu gründen, aber auch das kann nervtötend sein.
    Die Fotos dazu find ich übrigens mega genial!
    Alles Liebe,
    Mira

    • Vielen Dank In Wien kann ich es mir auch gut kompliziert vorstellen. Und ich werde mal schauen, wie viel Erfolg ich mit selbst gründen habe.. kommt bestimmt bald der nächste Hass-Artikel, haha!

      Liebe Grüße,
      Malin

  • Das klingt nicht gut, da hatte ich ja damals richtig Glück.
    Damals heisst mit 19 Jahren zu DDR Zeiten. Ich wollte in Berlin arbeiten und kam sus Brandenburg.
    Der Arbeitgeber hat sich um ein Zimmer bemüht und auch noch die miete bezahlt.
    Eine Wohnung zu bekommen war in den 80ern nichz so einfach aber bei Mietpreisen im Sltbau mit unter 30 Mark für 2 Zimmer auch für Berufsanfänger bezahlbar.

    Viel Erfolg
    Andrea

  • Ich habe schon häufig gehört, wie kompliziert es sein soll in Berlin eine Wohnung zu finden. Doch, dass es so schlimm ist, habe ich wirklich nicht gedacht! Ich drücke dir die Daumen, dass du trotzdem noch eine nette WG findest.
    Liebe Grüße ♡Kristina
    TheKontemporary

  • Ohje, da hast du aber wirklich komische Gestalten erwischt. Bist du denn mittlerweile fündig geworden? Macht auf jeden Fall spaß zu lesen, auch wenn es dir wohl eher keinen Spaß macht.
    Ich habe schon so oft davon gehört, wie schwierig es ist, in Berlin eine Wohnung finden, dass ich meiner gleich mal den Boden küssen werde. Ich, bzw. wir hatten wirklich absolutes Schwein, mit der dritten Besichtigung am Folgetag sofort eine Zusage in PB zu bekommen. Und es gibt noch nicht mal was zu meckern . Außer vielleicht, dass es nicht die hellste Wohnung auf Erden ist.

  • Was für eine Geschichte, Wahnsinn!
    So läuft es heute ab, wenn man ein WG-Zimmer sucht? Das ist ja ein richtiges Abenteuer. Ich glaube, mir wäre das auf Dauer zu anstrengend. Aber diese Erkenntnis hilft dir jetzt bestimmt auch nicht weiter.
    Am lustigsten fand ich eigentlich den Putz – und Geldsklaven. Warum um Himmelswillen geht er nicht in einschlägige Foren für sein Anliegen? Es ist aber tatsächlich besser, wenn du um solche speziellen Wünsche einen großen Bogen machst. Leider weiß man ja nie vorher, was einen erwartet.
    Also ich empfinde alles, was du beschrieben hast, als schrecklich stressig und ich hätte auch keine Lust, mich für ein popeliges kleines Zimmerchen zum „Casting“ anzustellen. Wie kannst du da noch lächeln?
    Was das „gekünstelte“ Nettoeinkommen anbetrifft: Sei einfach du selbst, das kommt am Sympathischsten rüber und ganz ehrlich, wenn du nach deiner Reise wieder in Deutschland bist, wirst du das bestimmt alles gelassener angehen.
    Danke für den dennoch ziemlich unterhaltsamen Artikel 😀 und Grüße aus dem Leipziger Land 😊

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